Das Dach ist wieder zu

Nach etwas mehr als acht Jahren habe ich heute meinen Mazda MX-5 verkauft. Anfangs sah es nicht so aus, als würden sich viele dafür interessieren, in den einschlägigen Portalen wurde er zwar angesehen, aber geschrieben hat mir niemand. Ich war schon fast soweit, ihn meistbietend an einen Händler zu vergeben, aber irgend etwas hat mich abgehalten. Stattdessen ging er dann nach einer Weile (und einer ordentlichen Preissenkung) an einen jungen Mann, der das Auto mit etwas Zeit und Geld wieder in ein Schmuckstück verwandeln möchte.

Denn das war er zum Schluss leider nicht mehr: kaputtes Verdeck, schlecht reparierter Rost am Schweller, Steinschlag und Parkrempler haben ihre Spuren hinterlassen. Ich muss mir auch eingestehen, dass ich ihn hätte besser pflegen und warten können. Doch ich war nie das, was ich lange Zeit selbst etwas abwertend als Autonarr bezeichnet hätte. Der Wagen selbst war schon ein kleines Stück Unvernunft, ich wollte mich nicht auch noch in häufiges Waschen, regelmäßige Wartung und Recherche für Werterhalt hineinsteigern. Ein Auto war für mich ein Fortbewegungsmittel, ein Ding das mich von A nach B bringt. Lange Zeit war mir nicht so explizit bewusst, dass die Art und Weise, wie es das tut, den Unterschied ausmacht. Denn auch mit meinem Golf bin ich früher zum Beachvolleyball oder in den Urlaub gefahren. Doch erst auf der Landstraße statt Autobahn, mit offenem Verdeck statt Klimaanlage wurde der Weg zum Teil des Ziels.

„Ein Auto bedeutet Freiheit“

Was ich lange Zeit für klischeebeladene Rechtfertigung eines Bedürfnisses nach Statussymbolen gehalten habe, kann ich rückblickend nur noch bestätigen. Und ich kann sagen, mir diese Erkenntnis selbst erfahren zu haben. Ein paar Dinge die ich mit meinem Roadster erlebt habe:
– meiner großen Liebe die Beachanlagen Berlins gezeigt
– Sternschnuppen gucken mit offenem Dach
– Schritttempo auf der Autobahn wegen Starkregen
– Fahrsicherheitstraining inklusive Vollbremsungen, Slalomparcour, Pirouetten, Drifts
– ein Greifvogel im Sturzflug 10 Meter vor uns auf der Landstraße
– Driften auf schneeglattem Kopfsteinpflaster
– mit Wasser in beiden Schwellern von Berlin nach Timmendorfer Strand und zurück
– Tank komplett leergefahren (dadurch weiß ich, es passen knapp über 48 Liter rein)
– im zweiten Gang mit Vollgas in eine Kurve und fast rausgeflogen (ganz knappe Geschichte glaube ich)
– 193 auf dem Tacho, bergab und mit Rückenwind
– wunderschöne Touren auf Landstraßen (z.B. Zinnowitz, Bremen, Warnemünde, Sächsische Schweiz)
– Testflüge für die ILA auf der Autobahn beobachtet
– mit offenem Dach bei Regen gefahren und nicht nass geworden
– einem jungen Mann mit wenig Geld eine Freude gemacht

Nu isser weg. Hab eine Träne verdrückt. Ich bin froh, all diese Erfahrungen gemacht, und stolz, sie mir mit dem Kauf des Autos selbst erlaubt zu haben. Mit dem letzten Blick auf die Rücklichter endete eine Lebensphase, und eine neue beginnt.

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