Kategorie-Archiv: Allgemein

Das Dach ist wieder zu

Nach etwas mehr als acht Jahren habe ich heute meinen Mazda MX-5 verkauft. Anfangs sah es nicht so aus, als würden sich viele dafür interessieren, in den einschlägigen Portalen wurde er zwar angesehen, aber geschrieben hat mir niemand. Ich war schon fast soweit, ihn meistbietend an einen Händler zu vergeben, aber irgend etwas hat mich abgehalten. Stattdessen ging er dann nach einer Weile (und einer ordentlichen Preissenkung) an einen jungen Mann, der das Auto mit etwas Zeit und Geld wieder in ein Schmuckstück verwandeln möchte.

Denn das war er zum Schluss leider nicht mehr: kaputtes Verdeck, schlecht reparierter Rost am Schweller, Steinschlag und Parkrempler haben ihre Spuren hinterlassen. Ich muss mir auch eingestehen, dass ich ihn hätte besser pflegen und warten können. Doch ich war nie das, was ich lange Zeit selbst etwas abwertend als Autonarr bezeichnet hätte. Der Wagen selbst war schon ein kleines Stück Unvernunft, ich wollte mich nicht auch noch in häufiges Waschen, regelmäßige Wartung und Recherche für Werterhalt hineinsteigern. Ein Auto war für mich ein Fortbewegungsmittel, ein Ding das mich von A nach B bringt. Lange Zeit war mir nicht so explizit bewusst, dass die Art und Weise, wie es das tut, den Unterschied ausmacht. Denn auch mit meinem Golf bin ich früher zum Beachvolleyball oder in den Urlaub gefahren. Doch erst auf der Landstraße statt Autobahn, mit offenem Verdeck statt Klimaanlage wurde der Weg zum Teil des Ziels.

„Ein Auto bedeutet Freiheit“

Was ich lange Zeit für klischeebeladene Rechtfertigung eines Bedürfnisses nach Statussymbolen gehalten habe, kann ich rückblickend nur noch bestätigen. Und ich kann sagen, mir diese Erkenntnis selbst erfahren zu haben. Ein paar Dinge die ich mit meinem Roadster erlebt habe:
– meiner großen Liebe die Beachanlagen Berlins gezeigt
– Sternschnuppen gucken mit offenem Dach
– Schritttempo auf der Autobahn wegen Starkregen
– Fahrsicherheitstraining inklusive Vollbremsungen, Slalomparcour, Pirouetten, Drifts
– ein Greifvogel im Sturzflug 10 Meter vor uns auf der Landstraße
– Driften auf schneeglattem Kopfsteinpflaster
– mit Wasser in beiden Schwellern von Berlin nach Timmendorfer Strand und zurück
– Tank komplett leergefahren (dadurch weiß ich, es passen knapp über 48 Liter rein)
– im zweiten Gang mit Vollgas in eine Kurve und fast rausgeflogen (ganz knappe Geschichte glaube ich)
– 193 auf dem Tacho, bergab und mit Rückenwind
– wunderschöne Touren auf Landstraßen (z.B. Zinnowitz, Bremen, Warnemünde, Sächsische Schweiz)
– Testflüge für die ILA auf der Autobahn beobachtet
– mit offenem Dach bei Regen gefahren und nicht nass geworden
– einem jungen Mann mit wenig Geld eine Freude gemacht

Nu isser weg. Hab eine Träne verdrückt. Ich bin froh, all diese Erfahrungen gemacht, und stolz, sie mir mit dem Kauf des Autos selbst erlaubt zu haben. Mit dem letzten Blick auf die Rücklichter endete eine Lebensphase, und eine neue beginnt.

Geräte aus der Hölle

Seit einigen Monaten war das folgende, unglaublich nervende Phänomen zu beobachten:
Zu Zeit des normalerweise tiefsten Tiefschlafs, so gegen fünf Uhr morgens, kam von irgendwoher ein typisches Digitalwecker-Gepiepe. Es dauerte ungefähr (bzw. wahrscheinlich ziemlich genau) 30 Sekunden an. Genug Zeit also, um es mitzubekommen, es zu verfluchen, dadurch richtig wach und ärgerlich zu werden. Leider nicht genug Zeit, um es verlässlich orten zu können.

Zuerst hatte ich natürlich eigene Uhren im Verdacht: Mein Aufwachlicht kam eigentlich nicht in Frage, wurde aber kritisch untersucht. Dann meine selten genutzten Armbanduhr, die ich eigentlich nur im Vibrationsbetrieb verwende, wenn ich mal wach werden muss, ohne meine bessere Hälfte zu stören. Beides Fehlanzeige.

Als nächstes nahm ich die Nachbarn über und unter uns ins Visier. Beide waren sehr freundlich und glaubhaft ahnungslos. Ein kurzes Gespräch mit dem Hausmeister lenkte den Fokus kurz auf die automatische Heizung, aber das konnte ja nun eigentlich nicht sein. Verwirrend war, dass es anscheinend nicht jede Nacht piepte und außerdem die Piepzeit sich stetig nach vorn verlagerte und inzwischen (also nach gut sechs Monaten) bei 20 nach vier lag. Wie bei einer Uhr, die zu schnell geht und jeden Tag ein paar Sekunden gewinnt.

Bei unserer aktuellen Aufräumaktion a.k.a. Frühjahrsputz fiel mir aus einer Schrankecke eine Papiertüte mit Apothekenzeugs entgegen, Probepackungen Handcreme, Flyer für Hustenbonbons und so was. Dabei war auch ein unscheinbares weißes Schächtelchen, dass ich noch nie gesehen hatte. Darin befand sich: Ein Reisewecker der Marke Werbegeschenk, mit aktiviertem Alarm. Ich konnte es noch nicht so richtig fassen und stellte die Weckzeit auf sofortige Auslösung. Es piepte so wie des Nachts in den letzten 6 Monaten. Heureka.

Meinem ersten Impuls, der unmittelbaren und endgültigen Destruktion, widerstand ich nur mühsam, um noch ein Vorher-Foto erstellen zu können. Inzwischen hat das Gerät seine gerechte Bestrafung erfahren.

werbewecker

Wunder der Tierwelt: Die Nebelkrähe

Heute habe ich eine Krähe gesehen, die aus ca. 5m Flughöhe eine Walnuss auf den Bürgersteig fallen ließ. Zuerst glaubte ich an ein Versehen, aber dann ließ sich die Krähe neben der Nuss nieder und pickte darauf herum. Offenbar war der Plan, die Schale durch den Aufprall zu knacken, genauso aufgegangen wie die Nuss selbst. Die Krähe nahm die Nuss wieder auf und hüpfte ins nahe Gras, wo sie sie fallenließ und mit losen Zweigen und Gras bedeckte, während sie sich immer wieder umschaute. Es sah aus als wolle sie sie verstecken und sichergehen, dass niemand dies beobachtete.

Mehr Beweise für solch planvolles Vorgehen von Krähen findet ihr z.B.:

 

Tipps für die moderne Küche – die Kräuterschere

Kraeuterschere_small Eines der wichtigsten Utensilien, das heute in keiner Küche fehlen darf, ist die Kräuterschere. Für sieben Blättchen Basilikum das Wiegemesser samt Brett hervorwühlen und später auch noch reinigen? In Zukunft ist das nicht mehr nötig. Gleichmäßigere Streifen bekommt man mit keinem anderen Werkzeug hin. Das braucht ihr gar nicht probieren. Nicht zu vergessen die einfache Bedienung, auch fortgeschrittene Kräuterschnitt-Techniken wie der doppelte Halbanriss oder der lange vergessen geglaubte Schrägblattschnitt gehen nach kurzer Eingewöhnung flüssig von der Hand. Alternativ findet das Werkzeug Verwendung zur Weihnachts- oder Faschingszeit, Reinigungskamm_smallbei der Herstellung von stimmungsvollem Lametta oder lustigen Konfettistreifen. Warum ich es noch nie beim Friseur im Einsatz gesehen habe, ist mir ein Rätsel.
Nicht ganz zuende gedacht scheint mir allerdings die Idee mit dem Reinigungskamm. Zwar kann man damit sehr gut kleine Kräuterschnipsel aus den Zwischenräumen der Kräuterschere entfernen. Doch wie befreit man diesen Kamm von solchen Überbleibseln? Da wäre eine Kräuterscherenreinigungskammrestebürste ein praktisches Zubehörteil. Wahrscheinlich muss man das aber extra bestellen.

Computerreparatur, Variante unerwartet

An einem Sonntagnachmittag mitten im Sommer 2001 kam ich vom Basketballspielen in der Schreinerstraße in Berlin-Friedrichshain zurück. Auf einmal stand eine ältere Dame vor mir und sprach mich an: „Entschuldigen Sie, kennen Sie sich mit Computern aus?“ Ich sah an mir herunter: alte Spielershorts und ein ausgeblichenes T-Shirt, durchgeschwitzt und erschöpft. Ja, genau so jemanden spricht man mit dieser Frage auf der Straße an. Ich nickte. „Mein Mann und ich müssen dringend am Computer arbeiten, aber der ist irgendwie kaputt und wir wissen nicht, was wir tun sollen.“ Ob ich mit in die Wohnung kommen und einen Blick auf den Rechner werfen könne. Kurz dachte ich die möglichen Szenarien durch, von einsamer Dame mit Kommunikationsdefizit bis perfidem Entführungsplan ging mir einiges durch den Kopf. Ich entschied mich für die Vertrauensvariante und betrat das Haus.

Die Wohnung lag im Dachgeschoss, klein, hübsch und mit viel Liebe eingerichtet, mit altem Gebälk, bodenhohem Fenster mit tollem Blick auf den Kirchturm in der Bänschstraße. Irgendwo in einer Ecke, fast so, als wollten sie ihn verstecken, ein winziger Tisch mit Tastatur und Bildschirm, darunter der Quell des Ärgers.

Während ich mir einen Überblick verschaffte, erzählten mir die beiden ein bißchen aus ihrem Leben. Leider habe ich das meiste vergessen. Hängengeblieben ist nur: Sie waren ein Künstlerehepaar, er Bühnenregisseur, sie Theaterautorin, mit durchaus bewegtem Leben, sehr freundlich und dankbar.

Der Rechner war elendig langsam, allein das Öffnen des Windows Explorers dauerte eine Ewigkeit. Die dringende Computerarbeit war das Schreiben eines Theaterstücks in Word, das Starten des Programms nahm zwei Minuten kostbarer Lebenszeit in Anspruch.

Ob ich etwas trinken möchte. Ein Glas Wasser, vielen Dank.

Beim Speichern eines kleinen Dokuments kam die Fehlermeldung, dass kein Speicherplatz auf dem Rechner verfügbar war. Oha.

Sie hatten eine erwachsene Tochter, die aus Berlin weggezogen war.

Die Kiste hatte vermutlich einen Virus. Der Internetzugriff für die Fehlersuche führte statt zu Google zu einer Seite mit fragwürdigen Konsumofferten, im Hintergrund liefen Dutzende Prozesse, von denen ich noch nie gehört hatte, und die den Prozessor ständig zu fast 100 Prozent auslasteten.

Nach einer halben Stunde war klar, dass hier mit Fehlerbehebung nicht viel auszurichten war, nur eine Neuinstallation konnte Abhilfe schaffen. Das wäre aber an diesem Abend nicht mehr zu schaffen. Also tauschten wir die Telefonnummern aus und ich verabschiedete mich. Eine freundlich gemeinte Aufwandsentschädigung lehnte ich ebenso freundlich ab, ich hatte ja überhaupt nichts gemacht.

Wir verabredeten uns am nächsten Tag zum Reanimationstermin. Frisch geduscht (jaha!), mit deutlich vertrauenserweckenderen Klamotten und einer Handvoll Windowstools auf einem USB-Stick stand ich vor der Tür. Die Neuinstallation von Windows ist eigentlich unglaublich langweilig und verdient keine weitere Erwähnung. Doch ich bekam Tee und Kekse und sehr nette Gesellschaft, es waren wie gesagt sehr freundliche und aufgeschlossene ältere Leute, die mit mir auch einen interessierten Gesprächspartner hatten. Ich glaube es war die unterhaltsamste Windows-Installation, die ich je gemacht habe. Zu schade, dass ich mich an Gesprächsdetails kaum noch erinnern kann. Was wohl aus ihnen geworden ist?

Meine Redewendung der Woche

In einem englischen Buch las ich gerade die Redewendung

„Hindsight is always 20/20“.

Es bezog sich auf die Ursachen für den Fehlschlag eines Softwareprojekts. Frei ins Deutsche übertragen bedeutet es „Hinterher ist man immer schlauer“. Ich war allerdings am tatsächlichen Ursprung interessiert und wurde auch schnell fündig: Das Ergebnis eines Sehtest wird mit einer Quote X/20 angegeben, 18/20 bedeutet ziemlich gute Sehstärke, bei 12/20 sollte man sich wohl mit einer Brille anfreunden. Hindsight, also die „Rück-Sicht“, ist hingegen immer perfekt. Eine tolle Metapher.

Entscheidungen

Neulich war ich mit Freunden vor dem Kino essen und wurde wieder mal Zeuge eines Schauspiels, wie es wohl jeder schon erlebt (oder sogar selbst veranstaltet) hat: Zwei Menschen in einem für sie neuen Restaurant blicken in die Karte und versuchen sich für eine Abendmahlzeit zu entscheiden. Das ist eine hochkomplizierte Angelegenheit, es müssen viele Faktoren bedacht werden:

  1. wie groß ist mein Hunger/ Appetit und welche Gerichte fallen aufgrund der Portionsgröße in die bzw. aus der engeren Wahl
  2. wovon verspreche ich mir große Gaumenfreuden

So weit, so gut. Doch jetzt geht es erst los:

  1. was bestellen die anderen, dasselbe Gericht zu bestellen ist ein No-Go
  2. was hatte ich vor Kurzem und darf ich deshalb auf keinen Fall essen (auch wenn ich es gern esse)
  3. worauf hat mein(e) Partner(in) zwar Appetit, möchte es aber nicht bestellen, sondern nur von mir probieren
  4. worauf habe ich gerade WIRKLICH Lust (intensives In-sich-hineinhorchen)
  5. wann kommt  der Kellner wieder (kurz davor muss ich auf jeden Fall nochmal neu überlegen)

Das selbständige Treffen von Entscheidungen ist eine Aufgabe, die uns fast das ganze Leben lang begleitet: Möchte ich lieber mit dem roten Auto spielen oder mit dem blauen? Finde ich Spinat lecker oder doof? Höre ich dem Lehrer zu oder schreibe lieber Zettel mit dem Banknachbarn? Welchen Berufsweg schlage ich ein? Bleibe ich bei dem sicheren Arbeitsplatz, der mich nicht zufriedenstellt oder wage ich einen vielversprechenden, aber mühsamen neuen Weg? Ziehe ich die schwarze Hose an oder die blaue? Kaufe ich ein Auto und wenn ja, welches?

Es gibt passive und aktive Möglichkeiten, mit diesen Aufgaben umzugehen. Der einfachste Fall ist natürlich, wenn andere die Entscheidung für mich treffen. Sehr hilfreich, wenn ich selbst (z.B. aufgrund von fehlendem Wissen oder Erfahrung) nicht dazu in der Lage bin, eine qualifizierte Wahl zu treffen. Ich halte es für erstrebenswert, die Anzahl solcher Situationen nach und nach zu reduzieren.

Ich kann die Entscheidung auch bewusst jemand anderem überlassen. Das ist unter manchen Umständen sehr verantwortungsvoll, wenn ich der Meinung bin, derjenige kann die Auswahl besser treffen als ich selbst (Gründe dafür siehe oben). Ich möchte jedoch niemanden aus Bequemlichkeit mit Nebensächlichkeiten beschäftigen. Es ist natürlich leichter, die Verantwortung für eine eventuell falsche Wahl von mir zu weisen. Ein unschöner Nebeneffekt ist, dass mir die Beweggründe für die Wahl vielleicht verborgen bleiben und ich bei der nächsten, ähnlichen Situation wieder vor demselben Problem stehe.

Ich kann warten, bis eine Option von selbst verschwindet oder sich plötzlich starke Argumente für eine Variante ergeben, die mir die Wahl erleichtern. Leider bleibt hier nicht unbedingt immer die beste aller ursprünglichen Optionen übrig, und ich muss vielleicht vergebenen Möglichkeiten nachtrauern.

Ich kann auch das Für und Wider jeder Option bestimmen und dann basierend auf mehr oder weniger rationalen Kriterien meine Wahl treffen. Hierfür gibt es verschiedene Methoden unterschiedlicher Komplexität. Beliebt ist das Befragen von Experten (Familie, Freunde, Verkäufer), die, so sei es unterstellt, fundierte Meinungen oder Standpunkte zu der Frage haben, die ich dann meinem eigenen gegenüberstellen und bewerten kann.  Nicht zu unterschätzen ist das eigene Bauchgefühl, allerdings neigt zumindest mein Bauch zu eher undeutlichen Äußerungen, daher nutze ich es meist zur Verifikation einer Auswahltendenz. Vor allem im beruflichen Umfeld finden z.B. die SWOT-Analyse, Scoringverfahren (auch Nutzwertanalyse oder Entscheidungsmatrix), PMI (Plus-Minus-Interest), CAF (Consider-All-Facts) usw. Anwendung.

Eine Hürde bei solchen Techniken ist, die zur Entscheidungsfindung relevanten Faktoren (und zwar möglichst alle) zu kennen oder bestimmen zu können. Übersieht man einen wichtigen Faktor, führt das unter Umständen zu einer nicht optimalen Entscheidung. Die zweite Hürde ist, die Kriterien für jede Variante objektiv zu bestimmen und vielleicht sogar zu gewichten. Ist ein niedriger Preis das Wichtigste oder geht es mir vor allem um eine Zeitersparnis, die beim teureren Produkt vielleicht größer ist? Ist die neue Arbeitsstelle mit besseren Aufstiegschancen verbunden, die mir im derzeitigen, sicheren Job fehlen?

Bestimmte Entscheidungen sind es sicher wert, diesen Aufwand zu betreiben. Und mit einer ausreichenden Expertise, genügend Erfahrung und Zeit ist das dann auch zu bewältigen.

Und wie steht es mit der Situation im Restaurant? Wenn ich mir die obigen 7 Punkte (und es gibt vielleicht sogar noch ein paar mehr) so ansehe, klingt es nach einer ziemlichen Herausforderung, das alles zu bedenken, gegeneinander abzuwägen und zu einer Entscheidung zu kommen. Und dann ist da noch die Frage: Ist es das auch wert? Sind die Konsequenzen meines Entschlusses so weitreichend, dass ich eine nicht-optimale Wahl später bereue?

Tsunetomo Yamamoto zitiert in seinem „Hagakure: Der Weg des Samurai“ (S. 53) ein altes Sprichwort: „Denke scharf nach und entscheide innerhalb von sieben Atemzügen“. Weiter steht dort: „Langes Überlegen stumpft den scharfen Rand einer Entscheidung ab.“

Über die Allgemeingültigkeit solcher Weisheiten kann man geteilter Meinung sein. Bei wichtigen Entscheidungen schlafe ich gern eine Nacht darüber, tausche mich auch mit anderen aus, denn sinnvolle Diskussionen lassen sich allein nicht führen. Wichtige Entscheidungen betreffen den weiteren Lebensweg, die Gesundheit, Geld in größeren Summen.

Für das Restaurantproblem (und einige andere Angelegenheiten) habe ich irgendwann beschlossen, dass es keinen großen Zeit- und Denkaufwand wert ist. Meist stelle ich mir die ersten beiden der oben genannten Fragen, bleibt dann immer noch mehr als eine Option übrig, werfe ich eine imaginäre Münze.

So bleibt der Kopf frei von unnötigem Ballast. Und ich beobachte weitere angenehme Nebeneffekte: Eine höhere Entschlussfreudigkeit bei kleinen Sachen führt zu einer Art Gewöhnung an diesen beschleunigten Prozess der Entscheidungsfindung. Es fällt mir inzwischen leichter, auch größere Dinge schneller und besser zu bewerten und mit mehr Selbstvertrauen eine Auswahl zu treffen.

Jede Wahl erfordert von mir eine Entscheidung, aber nicht jede Wahl ist auch entscheidend.

o2 could do (but they don’t)

Weiter unten war ich noch guter Dinge, als ich mein neues Telefon in den Händen hielt und nur eine micro-Sim-Karten-Zusendung davon entfernt war, das alte Gerät ablösen zu können. Tja, wäre da nicht:
– der erste Hotline-Mitarbeiter, der freundlich und hilfsbereit meine Bestellung entgegen nahm, um die erste Sim dann an meine seit über 2 Jahren ungültige alte Wohnadresse zu schicken. Warum damals nur Anschluss-, Vertrags und Rechnungsadresse, nicht aber die Adresse für den Hardwareversand geändert wurden? Man weiß es nicht.
– der zweite Mitarbeiter, der auf Nachfrage die Panne bemerkte und meinte, die Adresse geändert zu haben
– die dritte Mitarbeiterin, die hilfsbereit und freundlich zusagte, dass für die zweite Zusendung die richtige Adresse verwendet wurde, was sich als Irrtum herausstellte.

Bis dahin hatte ich insgesamt schon 6-7 Anrufe und ca. 20 Minuten Warteschleifenmusik intus, das hält keiner auf Dauer aus, also bin ich auf den Chat umgestiegen.

Hier kam dann ins Spiel:
– die vierte Mitarbeiterin, die sehr hilfsbereit und freundlich alles gerade rückte und für das hehre Ziel des schnellen Versand die noch nicht retournierte zweite Sim aktivierte, um sie danach deaktivieren und die dritte Sim versenden zu können. Der Haken an der Sache: Es kann nur eine (aktive Sim) geben. Ergo: Ich war ab diesem Moment nicht mehr unter der Nummer erreichbar. Zum Glück hatte ich noch eine zweite Sim unter einer anderen Nummer. Das war, fürs Protokoll, an einem Montag.

Am darauffolgenden Samstag chattete ich mit Mitarbeiter 5, der meine Meinung teilte, dass die Karte, obwohl erst Mittwoch versendet, nun doch längst da sein sollte. Daraufhin versprach er sich um alles zu kümmern und Sim Nummer vier sofort zu versenden, diesmal auf meinen Wunsch hin an einen nahen o2-Shop, wo sie spätestens Dienstag eintreffen sollte. „Sofort“ hieß in o2-Sprech am Montag. Spätestens Dienstag schließt ja den Montag nicht aus, also fragte ich beim o2-Shop nach, ob die Karte vier schon da sei. Sie war es nicht, dafür aber Karte drei in meinem Briefkasten, nach schlappen 5 Tagen. Dem Prinzip „es kann nur eine geben“ folgend war diese Karte aber nutzlos, weil schon wieder deaktiviert.

Meine daraufhin täglichen Nachfragen bezüglich Eintreffens der Karte beim o2-Shop wurde zwar freundlich, aber nur begrenzt hilfsbereit verneint, und zwar am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag.

Am Freitag endlich, nach weiteren 4 Tagen Post“lauf“ hielt ich dann die Karte in den Händen. Vom Zeitpunkt der Aktivierung über die Website (kann bis zu 24 h dauern) und Nachfrage im Chat (kann bis zu 48 h dauern) waren es dann nochmal 20 Stunden Warten, bevor ich meine alte Nummer nun endlich wieder benutzen konnte.

Das Ganze hat dann am Ende nur 5 Wochen lang meine Zeit und Nerven gekostet, gar nicht schlecht, oder?
Für o2 am peinlichsten finde ich aber, dass die Erwähnung meines Alice-Vertrages zunächst immer Schulterzucken, Hilflosigkeit und dann Weiterverbinden an die Fachabteilung bewirkte.
Leute, ihr habt Alice gekauft! Auf der Website steht nur o2. Auf der Sim steht o2. Im Chat meldet sich der Mitarbeiter mit „Willkommen bei o2“. Merkt ihr was?

Im Burgenland

2014-04-05 19.02.51-2Im Jahr 15 meiner Carcassonne-Zeitrechnung bot sich mir Anfang April dieses Jahres plötzlich die Gelegenheit, der gleichnamigen Stadt im Süden Frankreichs einen Besuch abzustatten. Flugs einen Flug gebucht, rasch einen Renault gemietet, kurz den Koffer gepackt (die Spielebox ließ ja kaum noch Platz), und ab gings mit zwei Mitspielern (Frau und bester Freund) via Amsterdam nach Toulouse. Das untypisch schlechte Wetter in der Gegend ließ uns spontan einen Tag im sonnigeren Montpellier einschieben, doch am Samstag, 5. April 2014, 18:37 war es dann soweit: wir spielten Carcassonne ebenda. Die erste Runde auf einem Holztisch vor der Burgkulisse war ein stürmisches Erlebnis, die unverzichtbaren Beweisfotos waren es jedoch wert. Die zweite Runde, innerhalb der Stadtmauern, in einem exzellenten Restaurant bei einem Glas Rotwein war dann umso gemütlicher.